Die Geschichte vom Hotel & Restaurant Kaiserstuhl

Es spielt keine Rolle, ob man mit Auto, Bahn oder Velo unterwegs ist: Fährt man von Alpnach her den Brünig hoch, so staunt man das ein oder andere Mal ganz gewaltig ab der Schönheit der Natur, die sich da so selbstbewusst und mächtig präsentiert. Gewunden in eindrucksvollen Haarnadelkurven zieht sich die Strasse den Berg hoch; und unwillkürlich denkt man voller Ehrfurcht an all die Kraft und Anstrengung, die es damals gebraucht hatte, um den Platz dafür der Natur abzutrotzen.

Am Anfang

Im Jahr 1861 wurde der Bau der befahrbaren Brünigstrasse beendet. Dokumentiert ist nichts Genaues, doch nimmt man an, dass das Hotel & Restaurant Kaiserstuhl kurz darauf erbaut wurde. An bester Lage, direkt an der Strasse gelegen, bot es sich den Reisenden geradezu als Rastplatz an. Die Schweizerische Post fuhr in den folgenden Jahren von Alpnachstad nach Brienz direkt am Kaiserstuhl vorbei. Doch brachte der an und für sich gute Standort den Wirten nicht immer Glück. Bereits 1883 musste der erste Wirt Konkurs anmelden. Der nächste konnte dank Postablage und Billettverkauf für die Brünigbahn zusätzlich gute Geschäfte machen. (Noch heute hält die Zentralbahn in unmittelbarer Nähe des Kaiserstuhls.)
kaiserstuhl-buerglen

Der Kaiserstuhl wechselte seine Besitzer; einmal sogar machte man den Versuch, eigenes Bier zu brauen. In den 1930er Jahren wurde das Haus abgerissen und komplett neu gebaut, in den folgenden Jahren dann von Walter Imfeld, der vormals das Kurhaus Lungern geführt hatte, nochmals bedeutend umgebaut.

Stöbert man in den alten Dokumenten, die vom Kaiserstuhl zu finden sind, so stösst man auf allerhand Trouvaillen. Auf einer Postkarte, die – flugs umgedreht – zur Hotelrechnung wurde, findet man den Betrag, die ein Ehepaar Holliger für Übernachtung und Frühstück damals berappen musste:
2x Logis à 4.-, 2x Frühstück à 2.- plus 15% Service (1.80) macht 13.80 für eine Übernachtung.
1945 schliesslich erwarb Walter Imfeld den Kaiserstuhl. Alte Wirtepatente, säuberlich mit der Schreibmaschine getippt, zeugen von diesem Wechsel.
Damals kostete ein Wirtepatent für ein Jahr CHF 180.- Dazu kamen noch CHF 2.- Schreibgebühren, die ebenfalls pflichtbewusst vermerkt wurden.
Die Familie Imfeld blieb lange auf dem Haus, auch nach dem Tod von Walter Imfeld machte seine Witwe noch eine Zeitlang weiter.
wirtschaftspatent-1946
Die Familie Baer führte danach den Kaiserstuhl sehr erfolgreich. Das Haus wurde für Jahre ein Anzugspunkt, ein richtiger und wichtiger lokaler Treffpunkt. Man traf sich im Kaiserstuhl – für einen Apéro, einen Schwatz, eine Besprechung, eine Kaufverhandlung. In den Dokumenten finden sich eine Karte sowie eine Fotografie eines Gastes, der im Haus zur Welt gekommen war und später sein Geburtshaus besucht hatte.
brief
Er überliess seinen Gastgebern das Bild mit der Erklärung: „Das […] Restaurant Kaiserstuhl ist mein Geburtshaus (1938). […] Als Dank für die flotte Unterkunft, die sehr gute Küche und den freundlichen Service möchte ich Ihnen die beiliegende Foto zur Erinnerung überlassen. Meine Eltern waren auf dem Restaurant von 1936 – 41.“

Sogar an den Namen des Hundes mochte er sich zu erinnern, den er auf der Rückseite des Bildes vermerkte.

Familie Zeiter:
Die Eltern Emil und Ida sowie die Kinder Albertine, Käthy, Hans und Ernst Zeiter (der Jüngste, Fritz, fehlt auf dem Bild) mit Hund Nero posieren für den Fotograf vor dem Kaiserstuhl. Die Tankstelle gab es bereits, die Strasse jedoch war noch unbefestigt.
familienbetrieb
Nach erneutem Besitzerwechsel wurde es dann ruhig um den Kaiserstuhl. Der Verkehr rollte am Haus vorbei, nur wenige noch hielten an und kehrten ein. Die goldenen Zeiten waren definitiv vorbei.
alte-zimmer
So sahen moderne Zimmer in den 1980er Jahren aus. Sie waren zeitgemäss eingerichtet. Dusche oder WC waren damals noch nicht Standard, ein Lavabo reichte für die Katzenwäsche.

Ein Blick zurück

Der erste Saumweg über den Brünig

Der erste Saumweg über den Brünig soll bereits 1577 gebaut worden sein, wissen die Historiker zu berichten. Aber erst im Jahr 1861 wurde eine fahrbare Strasse eröffnet. Gut, dass es diese jetzt gibt. Sie macht Reisen unendlich angenehmer. Bezwingt man dann die letzten Meter hoch zum Weiler Kaiserstuhl-Bürglen, so ist es ein stolzer Anblick, der sich dem geneigten Betrachter auf 698m ü.M. offenbart. Da, rechts!
 
Selbstbewusst, einladend und in neuem Glanz steht es da, direkt am See, das Hotel & Restaurant Kaiserstuhl. Der Ausblick auf das Wasser und die Bergwelt ist einmalig, lädt ein zum Haltmachen und Verweilen.

Das Rad der Zeit

Als die Sinnvoll Gastro 2014 das Haus kaufte, brach einen neue, erfolgreiche Ära an. Rigoros wurde der Staub vom Inventar und dem Ruf gefegt. Vieles wurde neu gestaltet, das Haus aber in seiner Einzigartigkeit erhalten. Das hat sich bewährt!
Einheimische, Feriengäste und Durchreisende machen heute wieder gerne Halt im Kaiserstuhl, man trifft sich hier, bespricht allerhand Wichtiges und Unwichtiges, beobachtet den Verkehr und den See, geniesst die Aussicht, die Bewirtung sowie das gute Essen, das fast ausschliesslich aus regionalen Produkten zubereitet wird.
Vergangenes kann bereichernd sein. Diese Erkenntnis haben wir nicht neu gewonnen, vielmehr machen wir immer wieder dieselbe Erfahrung, wenn ein weiterer Betrieb zu der Familie der Sinnvoll Gastro stösst. Neu machen heisst nicht: alles muss raus, alles alt, alles weg.
Neu machen heisst manchmal eben auch nur: neu verwenden. Alten Dingen neues Leben einhauchen, ihnen eine andere Aufgabe, einen anderen Stellenwert geben. So wie wir gerne und neugierig durch ausrangierte Möbel streifen, so stöbern wir auch gerne in der Vergangenheit. Heute lüpfen wir den Deckel des Albums des Hotel & Restaurants Kaiserstuhl.
Seine bewegte Vergangenheit sieht man dem Anwesen heute nicht mehr an: Frisch und sanft renoviert, einladend, individuell, in warme Farben getaucht und der heutigen Zeit angepasst, ist es längst ein Magnet für Liebhaber der raffinierten, lukullischen Regionalität geworden. Die bunt gemischte Gästeschar setzt sich gleichermassen aus Ausflüglern, Durchreisenden und Geschäftsreisenden zusammen, unter denen man so manch Einheimischen findet und sich auf diese Weise spontane Bekanntschaften ergeben, die nicht selten beim gemeinsamen Mittagessen ihren Anfang finden.
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